For People in Life Transition Creativity For Everyone For Artists and Writers Магия Суперсимметрии (Русский) Magic of Supersymmetry (English) Die Magie der Supersymmetrie (Deutsch) Thoughts on Education Vision and Values Photo Gallery Tager Gallery on Flickr Center of Creative Studies People Say Faculty Frequently Asked Questions Terms and Conditions Location Register |  | Die Magie der Supersymmetrie EinführungVeröffentlichter Artikel von Allen Tager in „Raum und Zeit“ Acknowledgement Many of the ideas expressed in this book are in alignment with those of Djwhal Khul, as reflected in the writings of Alice Bailey. More than twenty years after I began implementing this philosophy in my life and teachings, I was delighted to find a volume of his work, and my own work has been enriched over the years as a result. Paul Gaugin (7 June 1848 – 8 May 1903) Paul Gaugin gelingt in seinen Gemälden etwas wirklich Zauberhaftes: Armut darzustellen und gleichzeitig den Reichtum des Lebens zu zeigen. Sein Leben und sein Werk widmeten sich der Suche nach jener immanenten Kraft der Natur, die einer Existenz Sinn und Seele verleiht. Wie ein Naturwissenschaftler versuchte Gaugin, das Animalische des Menschen und dessen Reaktionen auf die ihn umgebene Welt zu ergründen. Die Antworten auf seine Fragen berühren anthropologische Konstanten. Ihn interessiert das Erwachen der Bedürfnisse nach Selbsterhaltung, Sexualität, Gruppenzugehörigkeit und Selbstbehauptung. Gewiss war ihm klar, dass diese primären Triebe kulturell sublimiert werden: der Geschlechtstrieb wird zu einer bewusst erlebten körperlichen und seelischen Verbindung, der Herdentrieb mündet in das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer Gruppe, der Trieb nach Selbstbehauptung in die Festigung der Persönlichkeit, um schließlich zum ausgeprägten Individualismus der Neuzeit zu werden. Der Künstler beobachtete die instinktiv verwurzelten Ängste – seine eigenen und die seiner Modelle – und analysierte deren Einfluss auf die menschliche Entwicklung. In seinen Bildern stellt er den Zuwachs des Wissens dar und versucht zu verstehen, worin die Ursachen der Evolution lagen, was der schlummernden Seele den Impuls zum Streben nach Fortschritt gab, der die Menschen der Vorzeit aus ihren Höhlen trieb und über Jahrmillionen der Entwicklung in die Welt von heute führte. Gaugins Bilder scheinen von Gerüchen durchdrungen. Sie riechen nach betörenden Lilien, reifen Mangofrüchten, nach Wellen, Hunden, Pferden und barfüssigen Frauen. Jeder Farbton ist einem bestimmten Duft und Klang zugeordnet – die Werke zeugen von einem intuitiven Wissen. Vor allem die Korrelation von Farben und Gerüchen bestimmte viele seiner Neigungen und Abneigungen und war besonders wichtig für ihn. Er spürte, dass der Geruchsinn sehr intensive Empfindungen verursacht, die den Menschen zu seinem Ursprung zurückführen und Einblicke in den archetypischen Plan gestatten können, der ihm vorgezeichnet ist. Gaugin ging gleichsam seiner Nase nach, die ihn aus Frankreich auf die fernen polynesischen Inseln führte, um dort die Fähigkeit zu entwickeln, intuitiv den Vibrationsfrequenzen seiner Heimat nachzuspüren. So suchte der Künstler nach der subtile Wechselwirkung zwischen der sexuellen Energie der Pflanzen, die Blumen und Hölzer als Duft verströmen, und den feinen Energiefäden, die die Fauna mit dem Menschen verbindet. In welche Richtung Gaugins Suche ging, erkennt der Betrachter z.B. an den zahlreichen Lilien mit ihrem kräftigen unverwechselbarem Duft, die von einem Bild ins andere wandern. Gaugin interessierte die Stärke der Triebe, die Macht der Lust, vor allem der geschlechtlichen als eines Teils des großen sexuellen Rituals der Natur, das die menschlichen Evolution entscheidend prägen sollte. Flora und Menschheit entwickelten sich nach ihrer je eigenen Grundformel synchron miteinander: Die Pflanzen entwickelten Formen und Düfte, für die der Mensch empfänglich war. Gaugin versuchte ebenso die Gesetze zu begreifen, auf denen die radioaktive Strahlung der Mineralien beruht, wie diejenigen, die die Ausströmung des Dufts der Pflanzen regulieren.. Gaugin begriff die Natur als Einheit. Alle auf der Leinwand festgehaltenen Realien – Blume im Haar, Frucht in der Hand, Pferd auf der Wiese, Mensch und sein Tun – sind gemeinsam mit dem Künstler eingebunden in den gigantischen planetarischen Lebenskreis und unterscheiden sich von einander einzig und alleine durch ihr Bewusstsein. In vielen auf Tahiti entstandenen Bildern zeigt Paul Gaugin das Leben als etwas Unteilbares, wie es sich manifestiert in unzähligen Formen und Arten, die in ihrer Gesamtheit unseren Planeten bilden. Auf der Suche nach Synthese erforschte Gaugin die Entwicklung der Wertesysteme, Auf der Suche nach Synthese erforschte Gaugin die Entwicklung der Wertesysteme, angefangen bei primitiven Kulturen bis hin zur modernen Industriegesellschaft. Er interessierte sich für die Veränderungen des menschlichen Bewusstseins, die die Menschheit auf eine höhere Windung der Evolutionsspirale brachten, während sie gleichzeitig denselben rhythmischen Gesetzen - etwa dem Wechsel der Jahreszeiten – unterlag wie Flora und Fauna. Die religiösen Vorstellungen seiner Zeitgenossen zielten zwar auf eine physische und eine geistige Neugeburt, doch die Verbindung beider wurde ausschließlich als symbolische verstanden. Im Gegensatz dazu spürte Gaugin, dass beide Arten von Neugeburt sich ähneln und in einer engen Beziehung zu einander stehen. Ohne Fleischwerdung kann sich kein Geist manifestieren, ohne körperliche Geschlechtsbeziehung wird die Seele keine Einheit mit der Persönlichkeit bilden. Sex ist lediglich ein Beispiel des Gravitationsgesetzes auf physiologischer Ebene. Körperliche Anziehungskraft und sexuelle Beziehung sind für die meisten Menschen gleichbedeutend mit dem Weg des geringsten Widerstands. Mit anderen Worten ist Sex ein unbewusster Ausdruck menschlicher Kreativität, parallel zum bewussten Gestaltungswillen. Auf dem Bild „Zwei Frauen von Tahiti“ lässt Gaugin eine weiße Lilie im Haar einer jungen Frau am Strand zu einem Urbild der Schöpfung werden, indem er sie harmonisch in das Muster des Sarongs überführt, das aus verstreuten großen weißen Lilien besteht. Der Künstler bringt in seinen Arbeiten zum Ausdruck, dass er glaubt, die schöpferische Fähigkeit primitiver Völker sei verknüpft mit deren Fortpflanzungstrieb und gleiche einer sexuellen Stimulation. Diese bilde letztendlich den Ursprung der Neuschöpfung von Worten sowie der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen, Kleidern und Behausungen. Gaugin zeigt emotionale, lebhafte Seelen, die sich der Welt öffnen und sich mit ihr verbinden. Er stellt Menschen mit erwachter animalischer Energie und ungezügelter Lust dar. Es sind kindliche Seelen, denn obwohl sie eine mentale Ausrüstung besitzen und lernfähig sind, konzentriert sich ihr Leben auf die physische Aktivität, motiviert ausschließlich durch scheinbar „oberflächliche“ Wünsche. Form ist ein Ergebnis der Lust, sie resultiert praktisch aus einer großen Lebenslust. Unter den Bewohnern der tropischen Inseln Tahiti und Martinique lebend, schien Gaugin Leid und soziale Not wie Armut und wirtschaftliche Abhängigkeit in den Industrieländern vor allem begründet in der Verdrängung elementarer Wünsche durch die Jagd nach kurzlebigem und vergänglichem Konsum. Erst die Psychoanalyse sollte Anfang des 20. Jahrhunderts. die Frage nach der Qualität verdrängter Wünsche aufwerfen. In unserer Zeit, wo die Psychologie an Einfluss gewinnt und die Gehirnforschung zur Leitwissenschaft geworden ist, geht es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nicht mehr um die mentale Kontrolle der Lust, sondern um eine wissenschaftliche Erforschung der Qualität der Wünsche. Die Qualität der Wünsche ist eine Schlüsselfrage der modernen Humanwissenschaften. Sie wird die Zukunft entscheidend beeinflussen. Sobald wir die Bedeutung der Lust verstehen, wird sich das Denken ändern, so dass Zivilisation und Kultur neue Formen annehmen, die harmonisch in die neue Zeit passen.
Marc Chagall (7 July 1887 – 28 March 1985) An der Schwelle zum 20. Jahrhundert geboren, stand Marc Chagall an einem Scheideweg dreier einzuschlagender Richtungen: Der eine Weg führte in die Isolation eines traditionellen jüdischen Städtls, wo im Gefühl des Auserwähltseins ethnische und religiöse Absonderung kultiviert wurden. Der andere Weg versprach an seinem Ende eine neue soziale Ordnung – als Konsequenz der sich bereits abzeichnenden Revolution, die in Russland ausbrechen und mit ihren Ideen die Weltanschauung vieler Menschen auf der ganzen Welt beeinflussen sollte. Der dritte Weg bewahrte sich die Freiheit des Denkens, indem neue Konzepte ausprobiert und misslungene verworfen wurden – eine bewährte Methode, das Schaffen des Menschen in Einklang zu bringen mit der Vorstellung einer ursprünglichen Harmonie der Welt. Chagall entschied sich für diesen dritten Weg, da er die jüdische Auffassung von der Weisheit der Schöpfung verinnerlicht hatte, der zufolge die Errichtung der Welt bestimmten geistigen Gesetzmäßigkeiten folgt. Im Laufe der Zeit wurde er für diese Gesetzmäßigkeiten stetig empfindsamer und wirkte mit, sie zu erkennen und aus dem Dunkel des Unbewussten in die moderne Kultur zu übersetzen. Chagall war ein emotional geleiteter Mensch. Solche Menschen verlangen stets nach Schönheit, Stärke und Weisheit. Oft sehen sie als Erwachsene wie Jugendliche aus und handeln auch so, denn ihr Interesse an den mannigfachen Ausdrucksformen des Lebens erlischt nie. Die meisten Werke Chagalls sind außerordentlich dicht strukturiert, als wären sie zusammen gehalten durch innere geistige Bande, nicht durch eine äußerliche Organisation. So lässt sich Marc Chagalls Gesamtwerk zusammenfassen unter dem Motto: Liebe, die die Einheit beseelt. Chagalls Arbeiten sind keine Phantasiegebilde, als die sie von Kunsthistorikern oft bezeichnet werden, denn Phantasie ist weder reiner Wunsch noch reiner Gedanke: sie ist nichts anderes als eine von Menschen erzeugte Vorstellung. Im Laufe der individuellen Entwicklung wird Phantasie allmählich durch Intuition ersetzt. Chagalls Bilder sind Ergebnisse eines intuitives Wissens. Marc Chagall gehört zu jenen Künstlern, die keine Autoritäten anerkennen, sondern ihrer Seele folgen. Im Schaffensprozess wurden ihm universelle Wechselwirkungen, das Aufgehen des Einzelnen in einem größeren Ganzen und Erlebnisse von Vereinigungen offenbar: Diese beweisbaren Erkenntnisse führt er dem Betrachter seiner Werke vor. Er durchlebte die Wirren des Ersten und zweiten Weltkriegs und der russischen Revolution – ein irrsinniges, wüstes Durcheinander, das alle Ebenen des menschlichen Bewusstseins aufwühlte. Mit seiner Kunst erinnerte er uns daran, dass jene Wirren ihre Wurzeln oft so weit in der Vergangenheit haben, dass sie von Historikern vielleicht nie erforscht werden können. Und nur in diesem Unwissen über die wahre Natur des frühen Menschen, glaubt der Betrachter, Chagalls Bilder seien seiner Phantasie entsprungen. Durch sein Leben hat der Künstler bewiesen, dass alle Veränderungen nicht von einer äußeren Macht aufgezwungen waren, sondern von den Menschen selbst herbeigeführt wurden. Besonders stark war bei Chagall eine Fähigkeit ausgeprägt, über die alle Menschen von Geburt an verfügen, die man vielleicht als „mystische Wahrnehmung“ bezeichnen könnte: Dieser Begriff beinhaltet viel mehr, als gewöhnlich vermutet wird, nämlich die Fähigkeit, Unbekanntes zu erspüren und intuitiv Ideen zu empfangen, ebenso wie die subjektive Welterfahrung mit der objektiven Wirklichkeit zu verbinden.
Paul Klee (18 December 1879 – 29 June 1940) Alles kann und soll in den Begriffen des Bewusstseins interpretiert werden. Manche Farben können die Menschen noch nicht sehen. Aber bereits in naher Zukunft werden sie diese durch eine Bewusstseinveränderung vielleicht sehen können. Jeder Farbton im Universum existiert in drei Weisen: als reale Farbe, als illusorische Erscheinung und als Reflektion. Auf der Erde gibt es lediglich diese dritte Form. Farben, die in die physische Sphäre „projiziert“ werden und dort sichtbar sind, gehören zu den gröbsten und grellsten ihrer Art. So ist selbst die raffinierteste Nuance, die unser Auge wahrzunehmen vermag, noch grob, verglichen mit der Palette einer gleichsam erhabenen Ebene. Diese Ebene des Erhabenen berührt sonst „verborgene“ Sphären der Materie, die bei jedem Übergang auf eine höhere Stufe die Schönheit, Weichheit und Raffinesse ihrer Farbnuancen offenbaren. Auf der höchsten Stufe der Synthese übersteigt die Schönheit der Farben jede Vorstellungskraft. Nur durch Intuition vermögen wir die Farben dieser Welt des Erhabenen zu erahnen, die sich unter den sichtbaren verbergen. Paul Klee hat gelernt, Farben, Farbnuancen und Lichtvibrationen zu unterscheiden, die nicht der physikalischen Welt angehören. Seine Arbeiten sind Beispiele dafür, wie anstelle des Glaubens ein Sehen tritt und aus der Sehnsucht die Möglichkeit einer Auslese wird. So setzte er das Werk seiner großen Vorgänger El Greco, Leonardo, Rembrandt, Turner und Monet fort und suchte das verborgene Leuchten, die unsichtbaren Strahlen zu erkennen. Für ihn resultierten diese aus einer immer reiner und größer werdenden inneren Flamme – einer Bündelung von Strahlen, die verborgene feine Materie aussendeten. Klee entdeckte den inneren Sinn der Strahlung, d.h. die Freisetzung jener Kraft, die allen Elementen und Atomen eigen ist. Klee definierte die Rolle des Künstlers und die Aufgabe der Kunst neu: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar. Diese Aussage ist wichtig, um das geistige Prinzip schöpferischer Arbeit zu verstehen. Ebenso wie die Wissenschaft macht die Kunst jenes sichtbar, das in der Natur seit jeher vorhanden ist, aber meist verborgen ist, weil das Bewusstsein zu beschränkt bleibt, um einen unmittelbaren Kontakt mit der Ideenwelt herzustellen. Denn vielen Menschen, die eine traditionellen Schulbildung genossen haben, mangelt die Fähigkeit zur Entwicklung ihrer Intuition. So vermag nur eine kleine Gruppe besonders empfindsamer Geister sich den Zugang zum ummittelbaren Wissen zu verschaffen. Diese Situation könnte sich durch eine Reform der Bildung ändern: einer Bildung, die nicht nur den Intellekt fördert, sondern vor allem die Intuition als gleichwertigen Aspekt des Verstehens. Die Psychologie unterscheidet drei Aspekte des Verstehens, drei Seiten jenes denkendes Wesens, das wir Mensch nennen und die dessen Natur konstituieren: - niederes, konkretes Verstehen, Vernunft als Prinzip. Auf diesen Aspekt konzentrieren sich Schulbildung, Psychologie und der sog. „gesunde Menschenverstand“, der das bloße Überleben sichert; - das individualisierte Verstehen oder der „Intellekt“, der den meisten gebildeten Menschen in unserer Zeit eigen ist. Der Intellekt ist der rationale, analytische Aspekt des Verstehens, das mit dem Wissen eng verbunden ist; - und schließlich das höchste abstrakte „intuitive Verstehen“, das die Intuition als Brücke zwischen dem Verstand und der Ideenwelt benutzt. Durch dieses höchste intuitive Verstehen wird jenes niedere gleichsam erleuchtet. Hier sucht die Philosophie ihre Verbindung mit der Ideenwelt. Diese Art des Verstehens leitet seit jeher die herausragenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft und Politik. Die meisten Menschen benutzen nur Vernunft und Intellekt, also nur ihr instinktives und intellektuelles Vermögen. Die Aufhebung der Trennung zwischen den einzelnen Arten des Verstehens ist ein Merkamal der Genialität. Denn bei der Verbindung aller drei Arten des Verstehens kommt die Schlüsselrolle der Intuition zu, die eine neue Sphäre des Sinns und der Ursachen erschließt. Hier kommt es zur Synthese von Instinkt, Intellekt und Intuition: der Mensch erfährt die Ganzheit. Allein das Verstehen ermöglicht die Erfahrung von Integrität. Auf diese zielt letztendlich die menschlichen Evolution. Das Wesen der Genialität, ihre Beschaffenheit sind für unsere Analyse ausgesprochen wichtig. Der Künstler wendet sich nach innen, er untersucht Motive und Eigenschaften, die ihren Ausdruck in der Außenwelt suchen. Während er diesen Prozess studiert, gewinnt er weitere Kenntnisse über jene Eigenschaften, die hinter den Erscheinungen verborgen sind und nach Ausdruck streben. Indem der Mensch lernt, sich selbst zu erkennen, gewinnt er gleichzeitig Kenntnisse über die Eigenschaften, die den einzelnen Phänomenen zu Grunde liegen. Auf der Suche nach der Grundsubstanz lernt der Künstler ein Ton kennen, der in allen Lebewesen erklingt, und fixiert das verborgene Motiv einer jeden Erscheinung. Eben diese Fähigkeit unterscheidet die Kunst von Zielen und Aufgaben des Kunstgewerbes und allen Arten der Folklore. In vielen seiner Arbeiten benutzte Klee das Prinzip der Polyphonie der Farben. Er beschäftigte sich intensiv mit einer möglichen Transmutation der Farben in deren höhere Entsprechung. Es ist zu betonen, dass hier die Rede von einem angewandten und nicht formalen Aspekt der Farbe ist. Eine Farbe ist lediglich eine Form, die die Kraft in ihrer Bewegung annimmt, sofern das sie durchdringende Material ihre Wirkung nicht beeinträchtigt. Durch Praktiken der Wiederholung schuf Klee polyphone Farbkompositionen. Diese Praktiken beruhten auf der Idee einer Schlüsselnote, d.h. eines Tones, der eine je eigene Form bildet. Sobald der Ton „erklingt“, wird ein Effekt erzielt, der an die Wiedergabe einer und derselben Note in verschiedenen Oktaven erinnert. („Polyphonie“, 1932, und „Crystal Gradation“, 1927, Kunstmuseum Basel, „Abenteuer eines Fräuleins“, 1922, Tate Gallery). Jeder Künstler besitzt seine eigenen Vibrationen, die auf eine ganz spezifische Art und Weise auf den Betrachter wirken. Das Gesetz der Vibrationen wird noch eine tiefe und vielseitige Erforschung erfahren. Es bestimmt das Verhalten alles Lebens. Seine grundlegende Wirkung wird in den Kategorien Farbe und Ton bewertet. Die Stellung Paul Klees in der Kunstgeschichte ist einzigartig, vor allem wegen seiner intensiven geistigen und intellektuellen Impulse, die nicht nur die gesellschaftlichen Avantgarden beeinflusste, sondern auch die Masse. Gerade in dieser Hinsicht setzte er die geistige Linie der altägyptischen Meister fort. Diese Impulse entstammten dem Wunsch, eine neue Zivilisation auf Basis einer subjektiven Kultur zu gründen. Die Hinwendung zur Abstraktion, zu Kultur und Wissenschaft, die dieses Denken wiederspiegeln, erforderten eine weitere Analyse. Wie der Suprematist Kasimir Malewitsch schuf auch Paul Klee eine eigene Schönheit der Welt und näherte sich so jener inneren Wahrheit, die ihren abstrakten Ausdruck fand. Malewitsch und Klee versuchten die Menschheit für eine Welt jenseits des Sichtbaren zu sensibilisieren, und es ist ihnen durchaus gelungen. Darin liegt beider Bedeutung in der modernen Kunst. Echte Schönheit ist stets verschleiert, sie liegt verborgen unter den Erscheinungen mit ihren unzähligen Einzelheiten. Nur dank einfacher Formen, die letztendlich von vielen entdeckt und geschätzt werden, wird eine neue Schönheit definiert, die der Wahrheit näher kommt, insofern sie Sinn und Ziel der Schöpfung auszudrücken vermag. In der langen Geschichte der Menschheit sollte sich die Tendenz zur Einfachheit immer dann durchsetzen, wenn die Praxis anhand von Theorie neu durchdacht wurde. Dieser Prozess verlief nie geradlinig, weil er Experimente und Auseinandersetzungen beinhaltete, die der Menschheit nicht nur Wissen, sondern auch Leid brachten. Erst nach langer Erfahrung sind neue Ideen auch ästhetisch umsetzbar und können den zerstörerischen „Wunsch nach Mehr“ – diese fundamentale Schwäche der Menschheit – verdrängen, um die Einfachheit wiederherzustellen. Einfachheit kann und soll zum Schlüsselbegriff der Moderne werden, weil nur sie unserer materialistischen Lebensweise entgegen wirken kann. Die geistige Arbeit von Malewitsch und Klee intensivierte die menschliche Kreativität und förderte die Entstehung einer neuen Kunst, die einer neuen Kultur und Zivilisation zugrunde liegt. Vieles in der modernen Welt, auch Möbel, Inneneinrichtung und Kleidung, klares Industriedesign, sollte aus den Bemühungen der beiden Künstler entstehen. Es steht in der Tradition ihres geistigen Erbes. Diese Tendenz zur Verknappung, die letztendlich zur Vereinfachung des ganzen Lebens führt, gewinnt in der modernem Welt an Einfluss. Immer mehr Menschen auf der Welt bevorzugen Einfachheit und Mäßigung – die besten Mittel gegen physische, geistige und ethische „Bombastik“.
Wassily Kandinsky (16 December 1866 – 13 December 1944) Ebenso wie Paul Klee setzte sich auch Wassily Kandinsky professionell mit Musik auseinander und erkannte deren Beziehung zu Farben und visuellen Rhythmen. Die Korrelation von Farbe und Klang wird nicht nur oft behauptet , sondern ist längst erwiesenen: Farbe ergibt sich aus dem Klang. In einem Brief schreibt Van Gogh: „So schnell gehen meine Pinsel durch meine Finger, wie ein Bogen über die Violine, zu meiner absoluten Freude.“ (Van Goghs Briefe, Brief Nr.607, 19.September 1889). Mit unserer heutigen Kenntnis über die inneren Zusammenhänge menschlicher Wahrnehmung lesen wir diesen Satz nicht einfach als Redewendung, sondern als tieferen Einblick des Künstlers in die Wechselwi rkung zwischen Klang und Farbe. Physisch vermag das Gehör Klänge wahrzunehmen; geistig kann es die Klänge auseinander halten. Kandinsky suchte nach einer Synthese der Klänge, bei der zunächst ein einzelner Ton fixiert, dann als generalisierender Klang umgedeutet und später in der Summe dieser Vorstufen als vollkommenes Hören erlebt wird. Er versuchte einen Zustand des vollkommenen Gehörs zu erreichen, der den Klang zu einem Grundstein des Daseins, zur alles krönenden Synthese und zu einem Weg der Evolution macht. Kandinsky war eine besonders empfindsam für Klänge, er konnte tatsächlich „Farben hören“. Diese Fähigkeit wird Synästhesie genannt, und Kandinskys wichtigste Aufgabe zeitlebens war die Darstellung jener verborgenen geistigen Verbindung. In seinen Arbeiten zeigt Kandinsky, dass es nicht so sehr auf den Ton wie auf seine farbige Wirkung ankommt. Denn man darf nie vergessen, dass jeder Ton sich auch als Farbe zu erkennen gibt. Und es ist der Klang einer Farbe, der in Augen des Künstlers den Erfolg einer Arbeit bestimmt. („Improvisation“, 1911; „Improvisation 26“, 1912; „Improvisation, Sintflut“, 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus) Wir begreifen zwar, dass die Farben, die wir kennen, nur vom menschlichen Auge wahrgenommene Vibrationen sind. Aber die Vollkommenheit der Welt, die wir sehen, ist eigentlich unvollkommen, da sie nur dem Entwicklungsgrad, der Empfindlichkeit, also der physischen Beschaffenheit des Auges entspricht. Wie könnten Farben von einem künftigen Menschen gesehen werden, der über ein perfekteres Sehvermögen verfügt? Selbst dann jedoch bliebe ihm eine ganze Palette wunderschöner Farbtöne unsichtbar und verschlossen. Unter dem Strich kann man behaupten: Wer das Geheimnis der Farben löst, löst auch das Geheimnis des Lebens.
Kasimir Malewitsch (23 February 1878-15 May 1935) Abst rakte Anschauung und Denken, die Fähigkeit, Zeit und Raum auszuklammern, sind Reaktionen einer höher entwickelten Menschheit auf die Intensivierung der Vibrationen. Als logische Folge daraus entstanden die Massenbildung, eine riesige Menge gebi ldeter Menschen und eine größere Zahl selbständig denkender Individuen. Im Laufe der Evolution st rebte der Mensch zunächst nach seinem Vorteil, danach aber nach abst rakten und synthetischen Zielen. Parallel entwickelt er die mentale Fähigkeit zur Intuition. Schon das Wort „Erleuchtung“ deutet auf eine Erweiterung des Wirkungsbereichs des Lichts hin. Der Suprematist Kasimir Malewitsch steht künstlerisch in dieser intellektuellen Tradition, er ist ein Künstler der Erkenntnis. Das abstrakte Denken und die archetypischen Ideen verbindet ein und dieselbe Linie. Der Mensch denkt dabei nicht über die Naturgesetze oder das Leben nach, sondern über deren Erscheinungsformen und Existenzgründe. Der Mensch, der in dieser Richtung arbeitet, interessiert sich vor allem für Warum, Wie und Woher. Anhand der aufgetretenen Daseinsformen versucht er Archetypen und Ideale herzuleiten, zu begreifen und zu synthetisieren. Er denkt über das von ihm entworfene Ideal nach, er strebt nach einer universalen Vernunft, um deren Geheimnisse zum Ausdruck zu bringen. Malewitsch wusste intuitiv: Der Mensch selbst ist der Urheber des Gesetzes und der Ordnung, auch wenn diese seine Eigenschaft erst heute zu Tage tritt. Denn erst heute hat das „Menschengeschlecht“ jene geistige Reife erreicht, welche die Verhältnisse in nationalen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Bereichen zu ordnen vermag, um mit einem neuen System die alte Epoche zu beenden. Ähnlich den altägyptischen Meistern, begann Malewitsch, unzufrieden mit der Widergabe rein emotionaler Zustände in den Arbeiten seiner Zeitgenossen, nach Gesetzmäßigkeit und Ordnung zu suchen, nach Gleichgewicht und Klarheit (oder gar nach der Schönheit der dargestellten Supersymmetrie), was ihm den höchst möglichen Zustand geistiger Aktivität bedeutete– ein geistiges Verharren im Licht. Die begriffliche Analyse der Symbole führt uns ins Innere – vom Verstand zur abstrakten Vernunft, in die Welt der Ideen. Sie inspiriert den Geist, so dass wir den Begriff, also die Idee erfassen können, die einst dem Symbol zugrunde lag. Wir begreifen dessen Bestimmung und erkennen die Absicht, die das Erscheinungsbild einer Form prägt. Unsere Fähigkeit, den Sinn eines Symbols herauszulesen, ist wesentlich mit dem Reichtum der Bedeutungen verbunden, die wir den Ereignissen des Alltags abgewinnen. Die Interpretation eines Symbols ist rational geleitet, so dass körperliche Reaktionen kontrollierbar werden und Ziele und nicht mehr allein Wünsche verfolgt werden können. Nicht zu vergessen ist, dass es keine universal gültige Interpretation von Symbolen gibt, so dass jeder Mensch in ihnen seinen eigenen singulären Sinn findet. „Das schwarzes Quadrat“ von Malewitsch ist ein Symbol, also eine zur sichtbaren Erscheinung gebrachte geistige Realität. Durch die Symbolanalyse vermögen wir hinter die Oberfläche der Erscheinungen in eine subjektive Realität einzudringen. Auf primitiven Entwicklungsstufen gewannen die Menschen durch Symbole auf einfache Weise große Wahrheiten. Ein Symbol lässt sich auf verschiedenen Ebenen analysieren: Zunächst geht es um die Analyse der Linie, der Figur, der Farbe. Auch unsere Sinne und Gefühle werden angesprochen. Dann folgt eine begriffliche Reflektion der Vorstellung, die einem Symbol zugrunde liegt, das heißt eine Auseinandersetzung mit seinem geistigen Gehalt. Danach kommt die synthetisierende Einsicht in die Bestimmung eines Symbols, um schließlich auf dessen Sinn und Zweck rückschließen zu können. Darin kulminiert die Analyse eines Symbols, die dessen kontextübergreifenden Gebrauch ermöglicht. Wie in jedem anderen Kunstwerk erscheint auch im Bild eine „Darstellung von Integrität“. Diese zeugt von einem Bewusstsein der Einheitlichkeit und Unversehrtheit eines Ganzen, mit dem der Mensch sich identifizieren kann. Das Kunstwerk stellt ein Ganzes dar, lässt es zu Tage treten. Egal ob in Malerei, Theater, Film, Literatur oder Musik – stets zielt das Werk auf die Darstellung eines Ganzen, und allein die schöpferische Konzentration auf dieses Ganze vermag die Wahrheit über die Welt zu erzählen. Die künstlerische Darstellung von Integrität lässt die Wirklichkeit gleichsam von innen leuchten und überbrückt jene Kluft, die sonst zwischen der Welt des Geistes und unserem Alltag klafft.
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